Sonntag, 06. Dezember 2015

Eine Phiole Gedanken SERGE LUTENS

– De Profundis Tout Noir –

Serge Lutens De Profundis ist seit 2011 in der Palais Royal Kollektion, eine Kollektion besonders edler Düfte. Der Name verweist asuf die Salons du Palais Royal (142 Galerie de Valois, 1er arrondissement, Paris), die Serge Lutens 1992 im Stadtpalast von Paris nördlich des Louvre eröffnete. Ein Ort des Rückzugs auf der Suche nach dem perfekten Duft.

Einen wunderschönen Artikel zu den Salons du Palais Royal habe ich hier gefunden. Allein die Bilder sind magisch und halten das mystische-ätherische Flair, das Serge Lutens um diesen Tempel der Düfte gelegt hat. Die Flakons sind… unglaublich. Die Zeit wirkt angehalten.

Jährlich fügte er der Palais Royal Kollektion 1-2 Düfte hinzu…
Heute gibt es 37.

Und von SERGE LUTENS DE PROFUNDIS gibt es aktuell eine limitierte Edition – DE PROFUNDIS TOUT NOIR – „vollkommen schwarz“.

Der Name bedeutet „Aus der Tiefe“ (de profundis clamavi ad te Domine) und verweist auf Psalm 130, auch „Der sechste Bußpsalm“. In der katholischen Kirche wird er als eines der Totengebete verwendet, die auch häufig bei der Beisetzung rezitiert werden. – Auch für Oscar Wilde spielte dieser Psalm eine große Rolle, denn er nannte seinen langen, offenen Brief an den ehemaligen Freund und Geliebten entsprechend, den er während der Inhaftierung verfasste… Aus den Tiefen rufe ich…

Christopher Sheldrake entwarf diesen tiefsinnig-nebelhaften Duft. Er ist die Nase hinter einigen einigen Serge Lutens Düften! Darunter auch Un Bois Vanille, La Religiöse (Artikel hier) und A La Nuit.
Im ersten Augenblick nimmt de Profundis eine frische, mineralische Note an, die etwas von Gestein und den rauen Blumen an steilen Berghängen hat. Das Grün behält dabei etwas eher geheimnisvoll Erdiges. Die Frische der herben Morgendämmerung. Im Rücken eine naturgegerbte Steinhöhle, die Hand auf einem der Vorsprünge. Kalt, rau, echt und auf eine tiefe Art ewig. Distanziert.
Im weiteren Verlauf öffnen die Veilchen ihre Blütenköpfe, ein Hauch von floralem Nebel über herbem und minimal wärmer werdendem Gestein und Erdreich. Die mineralische Qualität wird weniger deutlich, erlaubt Moschus, Pflaumenholz und Erdnoten sich gegen den kühlen Nebel zu erheben und hinterlässt eine subtil einhüllende Qualität.

Am Anfang der „olfaktorischen Morgendämmerung“ liegt die Idee seiner Entwicklung nicht nahe… Was so kühl und frisch beginnt, wird zu einem erdigen, sehr „nahen“ Duft, der nur wenige Millimeter über der Haut zu existieren scheint, wie eine Ahnung, ein Geheimnis. Er zelebriert sich im Kleinen, ein schwebender Weihrauchakkord – hauchleicht und in versteckter Mystik.
FAZIT

Ein Duft wie ein Geheimnis. Wie ein anfängliches Klagen, aus der Dunkelheit ans Licht treten und das Leben grün und rau einsaugend, ausatmend. Ein Duft, der beginnt wie ein Ruf, ein Erwachen, ein Zugehen auf Licht mit den Schatten im Rücken. – Und als verginge man im weiteren Verlauf selbst (oder das Leid) wie ein Gespenst bei den ersten Sonnenstrahlen… ein Verwehen über Erde und Stein, über Holz und Menschlichkeit.
Es fällt schwer , De Profundis zu beschreiben… Beginnt er doch kühl und endet so eng und geerdet auf der eigenen Haut. Diese Kreation ist unglaublich zeitlos, fern von Mode und gleichzeitig nah an etwas Ewigem. Ein wenig Morbide in seiner Erde, seinem Titel, seinen Nuancen und dem schwarzen, achteckigen Flakon – der Form eines Oktogons. Architektonisch stand diese Form bereits seit der Antike für Vollkommenheit. Das Oktogon (oder auch Oktagon) kann für Verstand und Intellekt stehen, für Wissenschaft und Magie.

Die schwarze, glatte Parfumhülle hat etwas Arkanes an sich. Das Versenken der fragilen, violetten Phiolen ist ein fast zelebrierter Akt. Das Entfernen des Glasflakons kann dabei aber etwas diffizil geraten. Fast wirt Serge Lutens De Profundis in seiner Glasphiole wie ein Gift und erinnert an Dramatik und Schmerz der späten Romantik.

De Profundis ist ganz eindeutig ein Duft für beide Geschlechter, versucht weder lieblich, noch männlich zu sein, sondern scheint einen geschlechtslosen Kern zu berühren, der in sich gekehrt ist, sich zunächst klagend, ziehend gen Licht streckt und dann im Tageslicht in eine geheime Nähe, eine erdig-leichte Substanz, eine morbid-zärtliche Erinnerung übergeht… Wie ein Gespenst im ersten Sonnenstrahl… wie die Seele einer Meerjungfrau im Schaum der Wellen.

Anita Mutig

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